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Bandwürmer

Vor allem bei Lämmern in Weidehaltung stellt der Bandwurmbefall ein Problem dar, da diese aufgrund mangelnder spezifischer Immunität gravierende Entwicklungsstörungen erleiden können. Hauptsächlich findet man bei Schafen Bandwürmer der Gattung Moniezia. Der Moneziabefall verläuft in vielen Fällen chronisch und inapparent, bedingt allerdings Leistungseinbußen durch schlechtere Zunahmen, sodass durch geeignete Bekämpfungsmaßnahmen wirtschaftlicher Schaden vermieden werden kann.

Erreger


Verantwortlich für eine Monieziose bei kleinen Wiederkäuern in Mitteleuropa sind vor allem Moniezia expansa und seltener Moniezia benedeni. 


Die Gattung Moniezia gehört zum Stamm der Plathelmintha, zur Klasse der Cestoda, zur Ordnung Cyclophyllida und zur Familie der Anoplocephalidae.
Moniezia leben im Dünndarm und sind wie alle Bandwürmer mehrwirtige (heteroxene) Zwitter. Moniezia expansa weist im adulten Stadium eine Länge von bis zu 10 m auf, Moniezia benedeni bis zu 4 m. Die Würmer haben einen dreiteiligen Körperbau, bestehend aus 

  • Scolex mit vier Saugnäpfen (charakteristisches Vorderende), 
  • ungegliederter Halsteil und 
  • Strobila (Gliederkette) aus einzelnen Proglottiden. 

Die Proglottiden der Strobila sind breiter als lang, enthalten doppelt ausgebildete Geschlechtsorgane und zwei lateral angeordnete Genitalöffnungen. Im Unterschied zu den Nematoden fehlt den Cestoden ein Verdauungstrakt. Die Nährstoffaufnahme findet über die Körperoberfläche statt.

 

Entwicklungszyklus


Mit dem Kot des Wirtstieres gelangen reife Proglottiden der Bandwürmer mit Tausenden darin befindlichen, polygonal geformten Eiern in die Außenwelt. Die Proglottiden sind im Kot meistens gut sichtbar, ihr Aussehen erinnert an Reiskörner. Als Vektoren für die Verbreitung der Bandwurmeier dienen Dungkäfer, Tausendfüßler und Ameisen, aber auch Vögel, deren Magenpassage die Eier unbeschadet überstehen. 


Für die Entwicklung von Moniezia sind Moosmilben als Zwischenwirte notwendig. Moosmilben sind auf heimischen Weiden ubiquitär vorhanden und nehmen die ausgeschiedenen Bandwurmeier auf. In der Moosmilbe bildet sich dann temperaturabhängig innerhalb von 3 Monaten das infektiöse Zystizerkoid. Moosmilben können das Zystizerkoid über einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten beherbergen. Die mit Bandwurmzystizerkoiden infizierten Moosmilben werden von den Schafen schließlich mit dem Gras aufgenommen. Dabei spielen tageszeitliche Faktoren und das Wetter eine wichtige Rolle, da Moosmilben besonders in den Nacht- und Morgenstunden und nach Regengüssen in die Gräser migrieren. Nach der oralen Aufnahme der Milben kommt es im Dünndarm der Schafe zur Exvagination des Zystizerkoids mit anschließender Anheftung an die Darmschleimhaut, wo es sich zum adulten Wurm entwickelt. Bis es zum Ausscheiden von Dauerstadien kommt, muss mit einem Zeitraum von 30 – 52 Tagen gerechnet werden. Die Lebensdauer eines adulten Wurms liegt bei etwa 3 Monaten. Nach Ablauf der Patenz stirbt der Bandwurm und wird abgetrieben. Die Elimination von Moniezia expansa tritt oft in den Monaten September und Oktober auf, worauf in den Herbstmonaten eine Neuinfektion vor allem mit Moniezia benedeni folgen kann.

 

Infektion


Bei der Monieziose handelt es sich um eine typische Weideinfektion. Da die Moosmilben bodennah auf den Gräsern leben, sind Schafe aufgrund ihres tiefen Bisses besonders empfänglich für eine Infektion. Bereits im Frühjahr stecken sich die Jungtiere kurz nach Beginn der Weidesaison mit den in Moosmilben überwinterten Bandwurmlarven an. Die seltener vorkommende Art Moniezia benedeni überwintert im Wirt als Bandwurm. Insgesamt unterliegt das Auftreten der Monieziose einer Saisondynamik. Nach Ablauf der Präpatenz wird in den Monaten Mai bis Juli mit einem verstärkten Auftreten einer Moniezia expansa Infektion gerechnet. Besonders gefährdet und häufig intensiv befallen sind Lämmer, die noch keinen Kontakt zu Bandwürmern hatten. Ältere Tiere entwickeln eine relative Immunität. In den Herbstmonaten sind eher Moniezia benedeni Infektionen zu erwarten, die meist milder verlaufen und auch bei älteren Schafen vorkommen.

 

Klinisches Erscheinungsbild


Gefährdet sind vor allem Jungtiere in der ersten Weideperiode. Sie zeigen Abmagerung trotz ausreichenden Futterangebotes, Mattigkeit und eventuell Durchfall in Folge einer katarrhalischen Enteritis. Starker Befall führt oft zu schlechter Futterverwertung, verminderter Gewichtszunahme, reduzierter Fruchtbarkeit und schlechter Vliesqualität. Die Wolle erscheint stumpf und glanzlos und das Vlies geschwächter Lämmer erscheint zum Teil dunkel oder verschmutzt. Zusätzlich können die Bandwürmer bei einem sehr starken Befall zu Verstopfungen, kolikartigen Erscheinungen oder einem Ileus führen. Klassisch sind daher alternierendes Auftreten von Durchfall und Verstopfung. Vereinzelt können auch nervöse Symptome beobachtet werden. Die Befallsintensität korreliert jedoch nicht immer mit dem Auftreten klinischer Symptome.


Eine Dysbakterie wird durch eine allergische, mechanische und toxische Störung der Bandwürmer verstärkt. Als Resultat eines gesteigerten Vitamin-B12 Verbrauchs durch die Bandwürmer kann ein Vitamin B12-Mangel mit Anämie entstehen. Bei älteren Schafen verläuft eine Bandwurminfektion oft asymptomatisch.

 

Diagnose


Die Diagnose kann makroskopisch anhand der ausgeschiedenen Proglottiden, die sich im Kot wie Reiskörner zeigen, erfolgen. Allerdings ist zu beachten, dass die Proglottiden zum Teil schon im Darm mazerieren und so im Kot nicht mehr wahrnehmbar sind. Es stehen aber auch direkte koproskopische Untersuchungsverfahren zur Verfügung, durch die die Dauerstadien der Bandwürmer, Eier und Proglottiden nachgewiesen werden können.


Als zuverlässige Diagnostikmethode gilt das Flotationsverfahren, bei dem die Parasiteneier durch ihr spezifisches Gewicht in speziellen Lösungen aufschwimmen. Ein auf der Flotation beruhendes quantitatives Verfahren ist die McMaster Kammer zum Auszählen von Parasitenstadien pro Gramm Kot.


Außerdem wurde auch ein ELISA zum Nachweis von Koproantigenen entwickelt, der eine Sensitivität von 80% aufweist.

 

Prophylaxe und Therapie


Prophylaktisch empfohlen wird ein Umpflügen der Weideflächen, weil dies den Infektionsdruck für Moniezia für 2 Jahre senkt. Eine dauerhafte Elimination der Cestoden kann damit nicht erreicht werden. Eine effektive Prophylaxemaßnahme ist es, die Schafe nur während der trockenen Tageszeit auszutreiben und die taureichen Morgen- und Abendstunden zu meiden, in denen die Moosmilben auf den Grashalmen nach oben wandern. Bei wechselnder Beweidung mit anderen Tierarten sollten die Lämmer tagsüber zuerst den hohen Bewuchs abgrasen. Im Rahmen des Weidemanagements können auch organische Düngemittel eingesetzt werden, die eine Verringerung der Moosmilbenpopulation zur Folge haben.


Bei Nachweis einer Infektion ist in jedem Fall eine Therapie einzuleiten. Therapeutisch ist eine Bekämpfung mit Anthelminthika angezeigt. Es stehen verschieden Wirkstoffe zur Verfügung, Mittel der Wahl ist die ausschließlich gegen Bandwürmer wirkende Substanz Praziquantel. Eine Behandlung sollte bei Lämmern etwa 4 bis 6 Wochen nach dem Weideaustrieb erfolgen, wobei in den meisten Fällen eine einmalige Behandlung ausreicht, um adulte Bandwürmer und bei höheren Dosen auch die Larven abzutöten. Falls nötig kann die Behandlung 4 bis 6 Wochen später noch einmal wiederholt werden.


Auch wirksam sind Benzimidazolpräparate, diese haben den Vorteil gleichzeitig auch gegen andere Endoparasiten eine gute Wirkung zu zeigen. Ein Nachteil dieser Präparate besteht darin, dass für eine gute Wirkung gegen Bandwürmer hohe Dosierungen und oft wiederholte Anwendungen erforderlich sind. 


Nach einer Bandwurmbehandlung sollten die Tiere aufgestallt werden, um zu verhindern, dass die abgehenden Bandwurmeier von den Moosmilben aufgenommen werden und so später wieder den Infektionsdruck erhöhen. Durch das ubiquitäre auftreten der Moosmilben als Zwischenwirt und das Vorkommen immaturer Stadien ist ein Wiederaufflackern der Infektion in den meisten Fällen auf eine Reinfektion und nicht auf Unwirksamkeit der Präparate zurückzuführen.

Tags
Bandwürmer Endoparasiten Schafe
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